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Anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktion

Definition

Anaphylaktische Reaktion

Freisetzung vasodilatorischer und bronchokonstriktorischer Substanzen, wie z.B. Histamin, nach Ablauf einer Antigen-Antikörperreaktion -> akute, lebensbedrohliche Situation Anaphylaktoide Reaktion

Freisetzung gefäßaktiver Substanzen ohne Antigen-Antikörperreaktion. Auftreten bereits beim ersten Kontakt mit der auslösenden Substanz (chemisch, thermisch, osmotisch) möglich, klinisch nicht von anaphylaktischer Reaktion zu unterscheiden.

Ziel

  • Sicherstellung eines strukturierten, schnellen und effektiven Vorgehens bei anaphylaktischen und anaphylaktoiden Reaktionen während der Anästhesie zur Erhöhung der Patientensicherheit und Vermeidung von Komplikationen oder letalem Verlauf

Zweck

  • Standardisierung aller Maßnahmen bei Verdacht auf eine anaphylaktische bzw. anaphylaktoide Reaktion

  • Aufgaben der Beteiligten, das Vorgehen bei Auftreten einer Reaktion sowie die sichere Handhabung der Notfallmedikamente sollen sichergestellt werden

Zuständigkeiten

  • Anästhesieärzte - Feststellung der Reaktion und Einleitung der

Notfalltherapie, Anordnung aller therapeutischen

Schritte inkl. Intubation, Volumen- und Medikamentengabe, Aufklärung der Angehörigen, ggf. Veranlassung allergologischer Nachsorge

  • ATA/ Pflege - Assistenz bei der Notfallversorgung, Vorbereitung

und Applikation der Notfallmedikamente, Sicherstellung von Monitoring, Atemweg, Dokumentation, Kontrolle und Verfügbarkeit der Notfallmedikamente

Ursachen und Risikosituationen
  • Nahezu alle Medikamente und Substanzen können anaphylaktische der anaphylaktoide Reaktionen auslösen

  • Gehäuftes Auftreten bei bekannten Medikamentenallergien, Wiederholungsanästhesien, psychisch belasteten Patienten, Frauen und Atopikern

Auslöser

In der Anästhesie von Bedeutung:

  • Muskelrelaxanzien, z.B.Succinylcholin, Atracurim, Mivacurium

  • Latex

  • Antibiotika, z.B. Penicillin

  • i.v. Anästhetika, z.B. Thiopental, Methohexital, Propofol

  • Volatile Anästhetika, z.B. Halothan, Isofluran

  • Lokalanästhetika, z.B. insbesondere vom Ester-Typ

  • Blutprodukte

  • Analgetika, z.B. Morphin, Buprenorphin

  • Kolloide, z.B. Dextran, Gelatine

  • Röntgenkonstrastmittel

  • Heparin: heparininduzuierteThrombozytopenie (HIT)

  • Ethylendioxid (Rückstände von Sterilisationsgas bei medizinischen Produkten)Knochenzement

Symptome

Eine anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktion kann nach Applikation eines möglichen Antigens durch hämodynamische, pulmonale, kutane und/oder durch gastrointestinale Symptomatik deutlich werden

Abbildung

Maßnahmen und Therapie
  • Allergenzufuhr sofort stoppen

  • Information an den Operateur

  • Autotransfusionslage, wenn möglich

  • FiO2 1,0 verabreichen, Intubation, Beatmung

  • Wenn nichtvorhanden, großlumigen Gefäßzugang legen

  • Medikamentöse Therapie

  • Volumenzufuhr erhöhen

  • Katecholamine, Adrenalin

  • Hochdosiert Glukokortikoide, z.B. Prednisolon

  • Histaminantagonisten: H1-Antagonisten z.B. Fenistil®; H2- Antagonisten

Prophylaxe
  • Umfassende Patientenanamnese bezüglich

  • Medikamentenunverträglichkeit

  • Allergien

  • Nahrungsmittel- und Kreuzallergien

  • Asthma

  • Besonderheiten bei vorangegangenen Narkosen

  • Auslösende Medikamente und Substanzen vermeiden

  • Medikamentöse Prophylaxe bei Risikopatienten

  • Histaminantagonisten verabreichen, z.B. vor Röntgenkonstrastmittelgabe

  • Glukokortikoide

  • Durch frühzeitige Eigenblutspende Fremdbluttransfusionen vermeiden, Fremdblut sparende Verfahren anwenden